Pressemitteilungen

PM 11/2022 Gastgewerbe fordert von der Politik Perspektiven

06.09.2022

Erfurt, 06.09.2022 / Im ersten Halbjahr 2022 wurde im Thüringer Gastgewerbe das vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht.

Gemäß der Pressemeldung des Thüringer Landesamtes für Statistik (206/2022) setzte das Thüringer Gastgewerbe im ersten Halbjahr 2022 real 27,9 Prozent weniger um, als im dem Zeitraum vor Corona 2019. Bei den nominalen Umsätzen war ein Rückgang von 21,5 Prozentpunkten zu verzeichnen und die Zahl der Beschäftigten lag um 17,5 Prozentpunkte unter dem im 1. Halbjahr 2019 erreichten Niveau.

In der heutigen Delegiertenversammlung als höchstes Organ des DEHOGA Thüringen e.V. gab es klare Worte zur aktuellen Situation im Thüringer Gastgewerbe. So führte Mark A. Kühnelt, der Präsident des DEHOGA Thüringen aus:

„Unseren gastgewerblichen Betrieben stecken die 30 Monate Corona-Pandemie ganz besonders in den Knochen. Kaum eine Branche war von Schließungen und Einschränkungen so betroffen, wie das Gastgewerbe und die Veranstaltungswirtschaft. Leider festigt sich bezüglich der aktuellen Diskussion um die Corona-Maßnahmen der Eindruck, dass insbesondere Gesundheitspolitiker wenig gelernt haben und es immer weiter mit fraglichen Maßnahmen gehen soll. Auch wenn ich mich wiederhole, so fordere ich unsere Gesundheitsministerin Heike Werner auf, auch ihre Rolle als Arbeitsministerin war zu nehmen und endlich Schluss zu machen mit der Strategie „Angst“ und stattdessen Perspektiven aufzuzeigen.“

 „Wir haben mit der aktuellen Situation der Energiepreissteigerung und der Versorgungssicherheit sowie der drastisch steigenden Preise wieder neue Herausforderungen für unsere Branche. Da brauchen wir nicht noch eine weitere Drohung mit Einschränkungen, auch wenn ein Lockdown ausgeschlossen werden soll, werden wieder zweifelhafte Maßnahmen, wie Abstandsregelungen und Kapazitätsbeschränkungen gefordert. Wir werden froh sein, wenn wir Gäste begrüßen können, welche unsere Leistungen trotz der leider notwendig steigenden Kosten in Anspruch nehmen“, so Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Thüringen.

„Die Bundesregierung“ so Kühnelt weiter, „schwört uns alle auf das Energiesparen ein, dies unterstützen wir ausdrücklich. Es werden seitens einiger Politiker aber immer fragwürdige Maßnahmen verkündet oder Energiespartipps gegeben, die tief in die Freiheit des Einzelnen aber auch der Unternehmer eingreifen und leider teilweise immer absurder werden, wie die Duschdauer, die Benutzung von Waschlappen und das Schließen von Saunen und Schwimmbädern.“

Nach der aktuellen Umfrage des DEHOGA Thüringen nutzen 72 Prozent der Thüringer gastgewerbliche Unternehmer Gas zum Heizen. Bei 41,6 Prozent der befragten gastgewerblichen Unternehmer im Freistaat betragen die Energiekosten bis zu 10 Prozent und liegen damit im Rahmen der Betriebsvergleichszahlen vor der Corona-Pandemie.

Aber bei mehr als über der Hälfte liegen die Energiekosten über den Branchenwerten. Bei jedem siebten Unternehmer (16,7 Prozent) liegen die Energiekosten bei 20 Prozent vom Umsatz und damit 100 Prozent über den Branchenverbrauch.

Ein Drittel der Thüringer gastgewerblichen Unternehmer berichten aktuell noch von vertragsmäßigen stabilen Energiepreisen. Dem gegenüber stehen jedoch aktuell 16,5 Prozent, die von einer Verdopplung (8,8 Prozent) bzw. mehr als einer Verdopplung (7,7 Prozent) der Energiekosten berichten.

Bereits jetzt machen die Gesamtenergiekosten bezogen auf den Umsatz bei 58,4 Prozent der Unternehmen zwischen 10 und mehr als 20 Prozent aus.

Naturgemäß sind im Gastgewerbe viele betriebliche Abläufe abhängig von Strom- und Wärmeproduktion mittels Gas. Unsere Dienstleistungsbranche ist also nicht nur besonders personalintensiv, sondern wird auch durch einen hohen Bedarf an Strom und Wärme gekennzeichnet. Aus diesem Grund haben wir unsere Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz und Energieeinsparungen deutlich forciert. Seit Wochen nutzen die Unternehmen bspw. die verbandsseitigen Angebote des DEHOGA-Umweltchecks und der Energiekampagne Gastgewerbe, um alle kurzfristig möglichen Einsparpotenziale zu heben.

„51,9 Prozent der befragten Unternehmer sehen durch die immense Energie-Kostenentwicklung ihre Existenz extrem bedroht. Da ist die Politik mit konkreten Maßnahmen gefragt. Ein Hotelzimmer mit 18 Grad ist gerade nicht das was Gäste im Winter erwarten, ebenso wenig wie ein geschlossener Wellnessbereich und kalte Tagungsräume.“, so Ellinger abschließend.