Jahrespressekonferenz des Gastgewerbes in Thüringen: Branche fordert verlässliche Rahmenbedingungen und echten Bürokratieabbau
Erfurt, 8. Juni 2026 / Zur heutigen Jahrespressekonferenz des DEHOGA Thüringen betonten der Präsident Mark A. Kühnelt sowie der Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger die weiterhin angespannte Lage der Branche, aber auch deren hohe Anpassungsfähigkeit in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Im Mittelpunkt der Forderungen stehen insbesondere eine zeitnahe praxistaugliche Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, welches Unternehmern aber auch den Mitarbeitenden Spielraum bei der Arbeitszeitgestaltung bietet und ein konsequenter Bürokratieabbau und nicht ein weiterer Aufbau derselben wie z.B. eine Tierwohlkennzeichnung auf der Speisekarte.
Mark A. Kühnelt erklärte: „Unsere Betriebe sichern täglich Versorgung, Tourismus und regionale Wertschöpfung – trotz steigender Kosten und wachsender Bürokratie. Jetzt braucht es weniger Hürden und mehr Vertrauen in unternehmerische Verantwortung.“
Der Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger ergänzte: „Wenn wir Fachkräfte halten und Investitionen ermöglichen wollen, müssen starre Vorgaben endlich überprüft werden. Dazu gehören insbesondere realistische Arbeitszeitregelungen, weniger Dokumentationspflichten und ein verlässlicher politischer Rahmen, der Planungssicherheit schafft.“
Vor diesem Hintergrund legt die Jahrespressekonferenz im Folgenden die aktuellen Auswertungen der Umsatzsteuerstatistik 2024 sowie die Entwicklung des Gastgewerbes in Thüringen im Zeitraum 2009 bis 2025 dar.
Im Einzelnen:
Auswertung Umsatzsteuerstatistik 2024
Entwicklung Gastgewerbe in Thüringen 2023 zu 2024
Im Zeitraum von 2023 zu 2024 ist die Anzahl der gastgewerblichen Unternehmen im Freistaat Thüringen von 4.172 auf 4.257, also um 85 gestiegen. Dies entspricht einem erfreulichen Zuwachs von 2,03 Prozent. Somit konnte die Vorjahressteigerung von 0,55 Prozent (2022 zu 2023) stabilisiert und ausgebaut werden. Dabei ist bei den Unternehmen im Beherbergungsgewerbe ein Zuwachs von 22 (2,21 Prozent) auf 1.018 Unternehmen zu verzeichnen. In der Gastronomie lag der Zuwachs bei 63 Unternehmen (1,98 Prozent). Mithin sind insgesamt im Freistaat 3.239 Gastronomieunternehmen am Markt.
Entwicklung Gastgewerbe in Thüringen 2019 zu 2024[1]
Seit der Corona-Pandemie in Thüringen sind insgesamt 612 gastgewerbliche Unternehmen geschlossen worden. Dies bedeutet einen Rückgang von 12,57 Prozent. Aktuell beträgt (zum 31.12.2024) die Anzahl der gastgewerblichen Unternehmen in Thüringen 4.257. Im Jahr 2019 waren dies noch 4.869 Unternehmen. Der Umsatz pro Unternehmen konnte im Durchschnitt im Zeitraum um 106 T€, von 256 T€ auf 379 T€ gesteigert werden, gleichwohl dieser im Durchschnitt zu gering ist, um die gestiegenen Personal-, Lebensmittel- und Energiekosten der letzten fünf Jahre zu kompensieren.
Die Zahl der Beherbergungsunternehmen ist von 1.099 im Jahr 2019 auf 1.018 (-81 Unternehmen) im Jahr 2024 (-7,37 Prozent) zurückgegangen.
Bei den Unternehmen der Gastronomie ist der Rückgang im Zeitraum von 2019 zu 2024 weiter dramatisch. So sind von den einst 3.770 Unternehmen 531 Unternehmen geschlossen worden (-14,08 Prozent) und mithin sind im Jahr 2024 nur noch 3.239 Gastronomieunternehmen am Markt.
Die Entwicklung des Gastgewerbes im Freistaat Thüringen von 2009 zu 2024
Im Zeitraum von 2009 zu 2024 ist die Anzahl der gastgewerblichen Unternehmen im Freistaat Thüringen von 5.726 auf 4.257, also um 1.469 gesunken. Dies entspricht einem Rückgang von 25,65 Prozent. Damit ist jedes vierte gastgewerbliche Unternehmen im Zeitraum von 2009 zu 2024 geschlossen worden.
Bei den Beherbergungsunternehmen betrug der Rückgang 219 Unternehmen (2009: 1.237 zu 2024: 1.018), dies ist fast jedes fünfte Unternehmen (-17,7 Prozent).
Bei den Unternehmen in der Gastronomie ist der Verlust von 1.250 Unternehmen (2009: 4.489 zu 2024: 3.239), zu verzeichnen. Dies entspricht einer Quote von – 27,85 Prozent.
Das Gastgewerbe in Deutschland im Jahr 2025[2]
Die Zahlen der Unternehmen und der Betriebsstätten sind im Jahr 2025 zum Vorjahr, leicht gestiegen. Allerdings sind die Zahlen der Vollarbeiter und der Versicherten minimal gesunken.
Die Zahl der gastgewerblichen Unternehmen in Deutschland hat im Jahresvergleich 2024 zu 2025 einen minimalen Zuwachs in Höhe von 0,9 Prozent erfahren, gleichwohl im Vergleich zu 2019 insgesamt 1,2 Prozent der Unternehmen weniger am Markt sind. Bei den Betriebsstätten ist die Zahl im Jahr 2025 im Vergleich zu 2019 mit 2,4 Prozent leicht gestiegen.
Im Vergleich 2025 zu 2019 gab es bei den Vollzeitbeschäftigten in der Bundesrepublik einen Zuwachs von 1,7 Prozent.
Thüringer Gastgewerbe 2025 stabil zum Vorjahr
Die gastgewerblichen Unternehmen im Freistaat Thüringen sind im Jahr 2025 zum Vorjahr leicht gestiegen. Im Vergleich zu 2019 sind 3,26 Prozent dem Markt verloren gegangen.
Die Zahl der Betriebsstätten liegt im Vergleich 2025 zu 2019 um 3,38 Prozent niedriger, gleichwohl das Niveau im Jahr 2025 zu 2024 gehalten werden konnte.
Im Gegensatz dazu ist die Zahl der Vollarbeiter 2019 zu 2025 um 3,47 Prozent gestiegen, im Vergleich zu 2024 gab es jedoch einen minimalen Rückgang von 0,66 Prozentpunkten.
[1] Auswertung Umsatzsteuerstatistik Gastgewerbe 2009 bis 2024 - Eigene Berechnungen
[2] Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel Gastgewerbe – Datenerhebung Mitglieder und Beitrag 2025