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PM 25/2017 Konjunkturbericht Gastgewerbe – Optimismus für die Zukunft, Fachkräftemangel und Ertragssituation weiter dramatisch

16.11.2017

Thüringer Gastgewerbe im Herbst/ Winter 2017

Das Gastgewerbe im Freistaat hatte in den vergangenen Jahren eine sehr unterschiedliche Entwicklung. Nach der aktuellen Umsatzsteuerstatistik 2015 sind in erster Linie Betriebe geschlossen worden, der Umsatz ist demgegenüber leicht, aber unter dem Bundesdurchschnitt, gestiegen. So waren im Jahr 2015 5.083 Unternehmen und mithin 64 weniger (Gastronomie: -50, Hotellerie: -14) als im Vorjahr im Thüringer Gastgewerbe zu verzeichnen.

Der Umsatz insgesamt überstieg mit 1,065 Mrd. erstmalig die Miliardengrenze. Damit lag der Durchschnitsumsatz pro Betrieb bei 209 T€ (+14.846 €) und damit 7,62 Prozent über dem Vorjahr (2014).

Im Vergleich stieg der Umsatz im Gastgewerbe im gleichen Zeitraum der Bundesrepublik um 5,81 Prozent, aber dies waren 19.500 € und damit fast 5 T€ mehr als der Zuwachs in Thüringen.

Damit steht das Gastgewerbe des Freistaates im Umsatzvergleich der Bundesrepublik weiterhin auf dem letzten Platz.

Dazu führt Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Thüringen, Dirk Ellinger, aus: „Wir brauchen dringend Umsatzzuwachs. Die Branche in Thüringen ist sehr kleinteilig geprägt, neben den Herausforderungen Fachkräfte und Nachfolger kommt noch die niedrige Ertragskraft, was natürlich auch nur geringe Möglichkeiten für dringend erforderliche Investitionen, aber auch nur geringe Einkünfte für die Unternehmer nach sich zieht.“

Unterschiedlich bewerten die Gastronomen und die Hoteliers die vergangene Sommersaison, genauso wie die bevorstehende Wintersaison. Dabei kann insgesamt davon gesprochen werden, dass die Gastronomen eine positvere Einschätzung abgeben als die Hoteliers.

„Umsatz im Gastgewerbe wird mit Thüringer Gästen und aber auch mit Touristen erzielt. Leider sind die Gästeankünfte seit 2010 nur um acht Prozent gestiegen, während im Deutschlandtourismus ein Zuwachs von 16 Prozent vermeldet werden konnte. Gleiches gilt für den Anteil an ausländischen Gästen. Hier liegt der Freistaat auch im Jahr 2017 auf einem Drittel des Bundesdurchschnittes. Da haben wir noch noch sehr viel zu tun“, so Ellinger weiter.

Nach Auswertung der diesjährigen Konjunkturumfrage im Thüringer Hotel- und Gaststättengewerbe kann konstatiert werden, dass die Stimmung der Thüringer Gastronomen insbesondere in den Thüringer Städten insgesamt weiter auf einem sich positiv entwickelnden Weg ist. Bei den Thüringer Hoteliers ist die Lage insgesamt als stabil, aber mit regional sehr unterschiedlichen Tendenzen einzuschätzen.

 

Lage und Erwartungen der Thüringer Gastronomie

Insgesamt beurteilen 61,0 Prozent der befragten Gastwirte, die vergangene Sommersaison mit gut. Im Gegensatz dazu schätzen nur 5,1 Prozent der Gastronomen die Lage mit schlecht ein. Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich feststellen, dass die Stimmung zwar insgesamt gut jedoch schlechter als im Jahr 2016 ist. Hier bewerteten nur 2,7 Prozent der Befragten den Sommer mit schlecht. Dies hat nicht nur, aber hauptsächlich auch mit dem schlechten Wetter im diesjährigen Sommer zu tun.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass der Index zwischen schlecht und gut von 56,8 Punkten vor einem Jahr, aufgrund der leicht gestiegenen schlechteren Bewertung auf einen Wert von 55,9 Punkten gesunken ist. Dies ist aber, verglichen mit den letzten Jahren immer noch ein überdurchschnittlich positiver Wert.

Bei den Einzelindikatoren ist die Bewertung der Mitarbeiterzahl hochgradig bedenklich. Trotz, dass 53,6 Prozent der Gastronomen ihre Mitarbeiterzahl halten konnten, gab jeder dritte Gastronom an, Mitarbeiter verloren zu haben. Dies spiegelt die aktuelle Situation des Fachkräftemangels wider und ist nicht etwa Ausdruck von Mitarbeiterabbau durch die Unternehmer.

Die Situation der Erträge gilt immer noch als angespannt, da gut Zweidrittel der Gastronomen angeben, dass die Erträge gesunken bzw. gleichgeblieben sind. Demgegenüber berichten nur 29,1 Prozent der Unternehmer von gestiegenen Erträgen.

Bei den Investitionen zeigt sich ein ausgeglichenes Bild, gleichwohl diese dringend erforderlich sind. Dies korreliert selbstredend mit der Ertragssituation. 

Mit Blick auf die Einschätzung der bevorstehenden Wintersaison ist die Erwartung besser als noch vor einem Jahr. Der Index von schlecht zu gut steigt auf 35,7. Dies sind 12 Indexpunkte mehr als noch 2016. Dies hat in jedem Fall mit dem aktuellen Buchungsstand, insbesondere der Weihnachtszeit zu tun.

Der Ausblick auf die bevorstehende Wintersaison ist bei den Thüringer Gastronomen insgesamt von Optimismus geprägt. Der Saldo zwischen gut und schlecht beläuft sich auf 23,7 Punkte, noch vor einem Jahr waren es 12 Punkte weniger.

Fast jeder Zweite (46,4 Prozent) sieht der kommenden Wintersaison optimistisch entgegen. Dies sind 4,3 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Demgegenüber stehen 10,7 Prozent der Gastronomen (Vorjahr: 18,4 Prozent), die von einer schlechten Wintersaison ausgehen.

Die Mehrheit (57,9 Prozent) der Gastronomen im Freistaat Thüringen hoffen auf gleichbleibende Gästezahlen, allerdings geht auch ein Viertel der Unternehmer von sinkenden Gästezahlen aus.

Das Bild der Gästezahlen entspricht in der Erwartungshaltung der Gastronomen auch den Umsatzerwartungen. Jeder fünfte Gastronom im Freistaat geht von steigenden Umsätzen, aber 4 von 10 Gastronomen auch von weiter sinkenden Umsätzen aus.

Die Preisentwicklung in der Thüringer Gastronomie, so die Einschätzung der Unternehmer, wird bei 58 Prozent gleichbleiben, aber auch bei mehr als einem Drittel der Gastronomen steigen. Dies hat natürlich in vielen Fällen mit den gestiegenen Preisen für Produkte, Dienstleistungen und natürlich auch mit den gestiegenen Personalkosten zu tun.

69,6 Prozent der Gastronomen rechnen mit gleichbleibenden Mitarbeiterzahlen. Knapp 20 Prozent hofft sogar auf Einstellung neuer Mitarbeiter.

Als bedenklich muss die Investitionsentwicklung bezeichnet werden. Nur 18,2 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus. Demgegenüber stehen 36,4 Prozent, die mit einem weiteren Sinken der Investitionen rechnen. Die Mehrzahl (45,5 Prozent) der Gastronomen geht von gleichbleibenden Investitionen aus. Insgesamt sind aber Ertragssteigerungen Voraussetzung für Investitionen, da ansonsten der Spielraum denkbar gering ist.

Lage und Erwartungen der Thüringer Hotellerie

Die Hoteliers im Freistaat haben gegenüber den Gastronomen eine, nach Auswertung dieser Konjunkturumfrage, schlechtere Saison gehabt. So liegen die Auswertungen der Einschätzungen um 12,9 Indexpunkte (Bewertung zwischen gut und schlecht) auseinander. Von den Thüringer Unternehmern im Beherbergungsgewerbe bewerten mit 54,8 Prozent zwar mehr als die Hälfte der Unternehmer die Saison mit gut, aber in der Gastronomie waren dies 61 Prozent.  

Auch im Vergleich der Sommersaison 2016 zu 2015 ist der Indexwert von 52,1 auf 43 und mithin um 9,1 Punkte gesunken, waren es doch vor einem Jahr noch 62,3 Prozent der Hoteliers, die die Sommersaison mit gut eingeschätzt haben.

Eine mögliche Ursache ist die, mit wenigen Ausnahmen zu verzeichnende stagnierende Zahl der Gästeankünfte und Übernachtungen.

Ein Viertel der Hoteliers im Freistaat berichtet von einer gesunkenen Zimmerauslastung. Demgegenüber stehen 38 Prozent der Hoteliers, die eine steigende Zimmerauslastung angeben.

Die Zimmerpreise sind im Thüringer Beherbergungsgewerbe in der vorangegangenen Saison nicht gesunken. 68,5 Prozent der befragten Unternehmer gaben an, dass ihre Preise gleichgeblieben sind und knapp ein Drittel (31,5 Prozent) der Hoteliers berichtet von gestiegenen Preisen. Hierbei sind die Ursachen vielfältig.

Mit einem Blick auf die Umsatzentwicklung im Thüringer Beherbergungsgewerbe berichten 3 von 10 Unternehmern von einer Umsatzsteigerung. Demgegenüber blicken aber fast ein Viertel, auf einen sinkenden Umsatz zurück. Dies spiegelt sich ebenso in der Zimmerauslastung wider.

Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich insgesamt positiv entwickelt, wenngleich auch massiv von den Schwierigkeiten bei der Besetzung der Stellen berichtet wird. 20,7 Prozent der Hoteliers berichten von einer steigenden Mitarbeiterentwicklung. Demgegenüber stehen aber auch 15,2 Prozent der Unternehmer, die einen Mitarbeiterrückgang verzeichnen mussten.

Bei der Ertragsentwicklung im Thüringer Beherbergungsgewerbe ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Dies ist sicherlich größtenteils eben auch der kleinteiligen Prägung der Betriebe geschuldet.

Nur ein Viertel der Hoteliers berichtet von gestiegenen Erträgen. Insoweit haben die 40 Prozent der Unternehmer, die von Umsatzzuwächsen berichtet haben, diese nicht in dem Umfang realisieren können, dass dies zu Ertragssteigerungen geführt hätten.

Als kritisch muss weiterhin eingeschätzt werden, dass ein Drittel der Hoteliers auf sinkende Erträge blickt.

Dies wirkt sich zweifelsohne auf die Spielräume für Investitionen aus, denn ein Viertel der Unternehmer im Beherbergungsgewerbe berichtet von gesunkenen Investitionen. Demgegenüber steht aber immerhin mit 29,3 Prozent fast ein Drittel, die die Investitionen haben steigern können und 45 Prozent und somit fast jeder zweite Hotelier, der zumindest auf dem Vorjahresniveau weiter investiert hat.

Geringfügig besser als vor einem Jahr wird von den Thüringer Hoteliers auf die bevorstehende Wintersaison geschaut. Der Indexwert stieg dabei um 1,1 auf 18,5 Indexpunkte.

Insgesamt bleibt aber festzustellen, dass die Hoteliers die kommende Wintersaison sehr viel pessimistischer sehen als die Gastronomen.

Mehr als die Hälfte der Unternehmer im Beherbergungsgewerbe geht von einer befriedigenden (53,3 Prozent) und 14,1 Prozent von einer schlechten Saison aus.

Bei den Einzelindikatoren wird von den Thüringer Hoteliers ebenso eher verhalten in die Zukunft geblickt.

Zweidrittel der befragten Hoteliers erhoffen sich eine gleichbleibende Zimmerauslastung, dem gegenüber stehen 27,8 Prozent der Unternehmer, die eine sinkende Zimmerauslastung befürchten.

Dreiviertel der befragten Unternehmer im Beherbergungsgewerbe gehen von gleichbleibenden Zimmerpreisen aus. 17,8 Prozent der Unternehmer sind dem entgegen optimistisch und hoffen auf steigende Zimmerpreise.

Bei den Mitarbeiterzahlen gehen dreiviertel der Hoteliers von gleichbleibenden Mitarbeitern aus.

Weniger optimistisch werden Ertrag und Investitionen gesehen. In beiden Kategorien gehen ein Drittel der Hoteliers von sinkenden Erträgen und Investitionen aus. Von steigenden Erträgen gehen demgegenüber nur 7,9 Prozent und steigenden Investitionen aber immerhin 20,2 Prozent der Unternehmer aus.

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